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#7 Ausgebucht als Webdesignerin: Warum „voll ausgelastet“ kein echtes Ziel ist

Ich hatte zwei Phasen in meinem Business, die sich auf den ersten Blick völlig unterschiedlich angefühlt haben und am Ende doch dasselbe Problem hatten.

In der ersten Phase war ich den ganzen Tag beschäftigt. Ich saß am Laptop, habe abends noch in die E-Mails geschaut, am Wochenende kurz welche beantwortet, immer in Bewegung, immer am Aufbauen. In den ersten Monaten und Jahren ist das ganz normal, weil man sich alles von null aufbaut. Nach ein paar Jahren sollte es aber nicht mehr so sein. Ich habe in dieser Zeit nicht viel verdient und bin trotzdem den ganzen Tag in Arbeit und Orga untergegangen.

In der zweiten Phase war ich monatelang im Voraus ausgebucht. Endlich angekommen, dachte ich. Du bist ausgebucht, das klingt nach außen ja großartig. Bis ich gemerkt habe, dass ich trotz der vielen Arbeit immer noch kaum über die Runden kam.

Beide Phasen haben ihre Gefahren und ähnliche Mechanismen, die einem oft gar nicht bewusst sind. Genau darum geht es heute.

Phase 1: beschäftigt, aber ohne Richtung

Ständig beschäftigt zu sein hat eine fiese Eigenschaft: Es fühlt sich wahnsinnig produktiv an. Du sitzt am Schreibtisch, machst Dinge, bringst etwas in Bewegung. Aber wenn du genau hinschaust, ist die Frage, womit du eigentlich beschäftigt bist.

Ich habe mich damals mit allem Möglichen beschäftigt. Ich habe ewig an Angeboten geschrieben, die am Ende nie zurückkamen. Ich habe stundenlang an meiner eigenen Website optimiert, obwohl die noch gar nicht lange online war. Ich habe Dinge verändert, die außer mir niemand gesehen hat. Es hat sich nach Arbeit angefühlt, aber war es im Moment die richtige Arbeit?

Es war keine Arbeit, die meine Selbstständigkeit voranbringt. Und das ist das Fatale: Beschäftigtsein kann sich erfolgreich anfühlen, weil du immer etwas zu tun hast und siehst, was du geschafft hast. Wenn aber die Anfragen ausbleiben oder du dich nicht um umsatzsteigernde Dinge kümmerst, ist das der große Fehler. Du solltest immer zuerst die Dinge priorisieren, die dir wirklich Umsatz bringen. Das klingt unsexy, ist aber für dein Überleben in der Selbstständigkeit total wichtig.

Ich habe mich teilweise zu früh mit Dingen beschäftigt, die total nett waren und schon im Gebermodus, obwohl ich noch gar nicht den Überschuss hatte, um so viel rauszugeben.

Der Unterschied zwischen beschäftigt und ausgebucht

Und da sind wir beim Kernunterschied: Wenn du beschäftigt bist, bewegst und veränderst du Dinge. Wenn du ausgebucht bist, werden diese Dinge auch bezahlt. Das klingt simpel, aber der Weg vom einen zum anderen ist nicht selbstverständlich.

Phase 2: ausgebucht, und trotzdem keine Luft

Was mich überrascht hat: Ausgebucht sein ist auch nicht automatisch die Lösung. In dieser Phase hast du an dir gearbeitet, bist sichtbarer geworden, die Anfragen kommen von allein, der Kalender ist proppenvoll. Ausgebucht.

Das fühlt sich erst mal großartig an. Ich dachte damals, jetzt hast du es nach so kurzer Zeit geschafft. Bis ich gemerkt habe: Ich bin zwar ausgebucht und kann keine neuen Anfragen mehr annehmen, aber ich habe keine Luft mehr, keinen Raum, keinen Puffer. Wenn dann ein Projekt länger dauert als geplant oder es mit einer Kundin schwierig wird, bricht das ganze Konstrukt zusammen.

Genau das ist mir passiert. Ich hatte Projekte so verschoben, dass die Last der vielen offenen Projekte auf mir lag, und gleichzeitig schon Monate im Voraus weitere Projekte, die ich nicht schieben konnte. Es hätte mich fast in den Burnout getrieben. Ich hatte einfach nicht genug Puffer und habe mich gefühlt, als könnte ich nicht mehr atmen. Das war ganz schlimm.

Ausgebucht zum falschen Preis

Wenn du ausgebucht bist und trotzdem nicht das verdienst, was du brauchst, dann ist ausgebucht sein nicht das Ziel. Dann bist du ausgebucht zum falschen Preis.

Ich hatte damals Angst, dass die Anfragen ausbleiben, wenn ich meine Preise anhebe, dass dann niemand mehr kommt. Deshalb hing ich länger in diesem Konstrukt fest. Das ist die Falle: Du bist dauerhaft ausgebucht, hast keine Zeit und keinen Raum mehr, über Preise nachzudenken oder Systeme anzupassen, und rennst einfach weiter, bis du ausbrennst und aufhörst, deine Arbeit zu mögen. Ich hatte zeitweise keine Lust mehr auf meine Selbstständigkeit.

Was für mich das echte Ziel ist

Alle wollen ausgebucht sein, das ist das große Ziel. Viel wichtiger finde ich, dass du klare Rahmenbedingungen hast: Was bedeutet ausgebucht für dich überhaupt, und zu welchen Konditionen? Mit welchen Preisen und mit welchen Kund:innen willst du arbeiten? Wie viele Kund:innen brauchst du, und wie viel Geld brauchst du am Monatsende, um gut davon zu leben?

Mein Ziel ist ein Kalender, der dir Spielraum lässt, Projekte, die Freude machen, und Preise, bei denen du auch mal Nein sagen kannst, weil du nicht jeden Auftrag brauchst. Da sollte man als Selbstständige hinkommen.

Beschäftigt zu sein ohne klare Richtung kostet dich Zeit. Ausgebucht zu sein zu den falschen Konditionen kostet dich Energie. Und irgendwann ist die Freude an dem, was du tust, weg.

Die ehrliche Frage, die du dir stellen kannst

Bevor du das nächste Mal denkst „ich bin busy, es läuft“, frag dich kurz: Läuft es gerade wirklich? Bewegst du dich auf etwas zu? Bist du eher mit Beschäftigtsein beschäftigt, oder bist du ausgebucht zu Konditionen, zu denen du eigentlich gar nicht ausgebucht sein möchtest?

Wenn die ehrliche Antwort sich nicht so gut anfühlt, dann ist das der Moment, hinzuschauen und daran zu arbeiten. Damit du am Ende nicht das Gefühl hast, nicht mehr atmen zu können.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Beschäftigt zu sein fühlt sich produktiv an, bringt dich aber nicht automatisch voran. Frag dich, womit du wirklich beschäftigt bist.
  • Priorisiere zuerst das, was Umsatz bringt. Das klingt unsexy, sichert aber deine Selbstständigkeit.
  • Der Unterschied: Beim Beschäftigtsein bewegst du Dinge, beim Ausgebuchtsein werden sie bezahlt.
  • Ausgebucht ohne Puffer kann dich an den Rand des Burnouts bringen. Plane Luft ein.
  • Ausgebucht zum falschen Preis ist kein Ziel. Klare Konditionen sind wichtiger als ein voller Kalender.
  • Das echte Ziel: ein Kalender mit Spielraum, Projekte mit Freude und Preise, bei denen du Nein sagen kannst.

Wenn die Folge etwas bei dir ausgelöst hat, schreib mir wie immer gerne auf Instagram unter @webdesign.women. Ich freue mich über jede Nachricht.

Diese Folge gibt es auch zum Hören.

Deine Steffi

Hier anhören:

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Hi ich bin Steffi

Webdesignerin und die Stimme hinter dem Webdesign Women Podcast. Seit Jahren baue ich mir meine Selbstständigkeit so auf, dass sie zu meinem Leben passt. Darüber spreche ich hier: ehrlich, aus eigener Erfahrung und ohne Hochglanz. Wenn du als Webdesignerin selbstständig bist oder es werden willst, bist du hier genau richtig. 

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