Diese Folge wird etwas persönlicher. Ich wurde gefragt, wie die Babypause für mich in der Selbstständigkeit war, wie ich sie geplant habe und ob ich es wieder so machen würde. Letztes Jahr bin ich Mama geworden und musste mein Business deshalb ein Stück weit pausieren.
Wer selbst Eltern geworden ist, weiß vielleicht, warum ich an dieser Stelle einmal lachen muss. Es gibt wahrscheinlich nichts Unplanbareres als diesen Schritt und alles, was drumherum passiert. Trotzdem teile ich, was ich geplant hatte und wie die Realität dann aussah. Vielleicht hilft dir das, wenn du als Freelancerin gerade selbst über dein Baby und deine Selbstständigkeit nachdenkst.
Mein Plan: kurze Pause, Vertretung und Projekte danach
Als ich schwanger wurde, war mir klar, dass ich als Selbstständige keine lange Pause machen kann und auch nicht möchte. Ich liebe meine Arbeit, also war von Anfang an klar, dass ich diejenige bin, die relativ schnell wieder einsteigt. Bei uns ist mein Mann im ersten Jahr in Elternzeit, und ich arbeite weiter.
Mein Plan sah so aus: sechs Wochen Mutterschutz vor der Geburt und danach drei Monate Babypause. In dieser Zeit haben mich Freelancerinnen im Webdesign Women Club vertreten, mein Wartungsservice lief weiter. Ich habe also weiter Geld verdient, nicht komplett pausiert, und meine Kundinnen hatten trotzdem eine Ansprechperson.
Für danach hatte ich schon drei Projekte fix: drei Relaunches und ein Branding-Projekt. Danach wollte ich mich erst mal auf den Webdesign Women Club konzentrieren. Klang gut. Vertretung da, Projekte da, alles schien vorbereitet.
Die Realität: alles kam anders
Schon vor der Geburt konnte ich nicht mehr so viel arbeiten. Ich war in der Schwangerschaft super kaputt, hatte wenig Energie, und es wurde von Monat zu Monat mehr. Dazu kamen mehr Arzttermine. Da habe ich gemerkt: Ich hätte die Pause früher einplanen sollen. Ich hatte am Ende nur einen Monat statt der vollen sechs Wochen, und das war zu wenig. Ich dachte, ich sitze ja nur am Computer, aber wie körperlich sich das anfühlt, konnte ich mir vorher einfach nicht vorstellen.
Dann kam das Baby, und ich habe die drei Monate Babypause mit meinem Mann zusammen verbracht. Es war ein wunderschöner Sommer, und ich habe diese Neugeborenen-Bubble so genossen, dass mir der Wiedereinstieg unglaublich schwerfiel. Damit hätte ich nie gerechnet, weil ich meinen Job ja liebe.
Aber man verändert sich als Person, und diesen Faktor hatte ich nicht eingerechnet. Ich wusste vorher nicht, wie ich als Mama bin und wie stark die Hormone in so einer Phase reinhauen. Der Wiedereinstieg war für mich wirklich ein Kampf.
Mein größter Fehler: direkt wieder Projekte annehmen
Was ich für eine gute Idee hielt, nämlich die fertig geplanten Folgeprojekte, hat mich im Herbst und Winter richtig gestresst. Kurz nach der Schwangerschaft war ich nicht besonders kreativ, ich steckte in einem kleinen kreativen Loch. Und meine Struktur war noch für die Steffi gebaut, die keine Mama ist und viel mehr Zeit hatte.
Da kam so vieles zusammen: meine zwei Standbeine, die Projekte, ich völlig neu in meiner Rolle als Mama, neue Abläufe, die ich erst finden musste, dazu ein Baby, das gestillt wird und die Flasche teilweise verweigert. Ich war nirgends richtig, und es war einfach zu viel für den Anfang. Wenn ich es noch einmal entscheiden könnte, würde ich direkt nach der Babypause keine Projekte annehmen.
Kurios war übrigens, dass sich genau in meiner Babypause auffällig viele Kundinnen gemeldet haben. Da kamen Anfragen von Leuten, von denen ich teils monate- oder jahrelang nichts gehört hatte, und ausgerechnet dann auch ein paar dringende Dinge. Zum Glück hatte ich meine Vertretung, und es ließ sich alles lösen, als ich wieder da war.
Warum eine gute Vertretung Gold wert ist
Den größten Unterschied hat für mich gemacht, dass ich jemanden hatte, der mich vertritt. Falls du so jemanden noch nicht hast: Vernetz dich mit anderen selbstständigen Webdesignerinnen. Wenn du Menschen findest, denen du vertraust und die solche Arbeit für dich übernehmen können, ist das Gold wert. Mir hat es schon davor geholfen, im Urlaub wirklich abzuschalten, statt ständig mit einem Ohr in den E-Mails zu sein.
Was ich heute anders mache
Weil der Herbst und Winter so stressig waren, habe ich für mich entschieden: Ich kümmere mich erst mal um meine Bestandskundinnen und nehme neue Projekte später wieder an, jetzt im Jahr 2026. Gleichzeitig stecke ich viel Energie in Webdesign Women, weil ich da schon einiges Neues etabliert habe und noch viele Ideen habe. Es tut gerade gut, ein bisschen freier zu sein.
Was ich dabei gelernt habe: Sich breiter aufzustellen ist klug. Mit Wartungsverträgen und Retainer-Modellen bist du nicht nur auf einzelne Eins-zu-eins-Projekte angewiesen und kannst dir deine Zeit freier einteilen. Gerade weil du vorher nie genau weißt, wie die Zeit nach der Geburt wird.
Würde ich es wieder so planen?
Ehrlich? Nein, nicht ganz. Wenn ich etwas ändern könnte, würde ich mir vorher mehr Zeit nehmen und danach nicht direkt Projekte einplanen. Die fest gebuchten Projekte haben mir vorher ein sicheres Gefühl gegeben, danach wurden sie zur stressigen Phase. Das würde ich anders machen.
Inzwischen bin ich langsam angekommen. Es fällt mir wieder leichter, ich bin mehr zurück, auch weil ich reagiert und mir bewusst mehr Freiraum genommen habe. Ich möchte weniger machen und mehr Zeit mit meinem Baby haben, und ich habe feste Familienzeiten eingeplant. Das fühlt sich richtig an. Meine neuen Abläufe kommen langsam, und ich komme in meiner neuen Rolle an.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Plane die Pause vor der Geburt früher und großzügiger ein. Die Schwangerschaft kostet mehr Energie, als man denkt.
- Nimm dir nach der Babypause bewusst Zeit, bevor du neue Projekte annimmst.
- Eine verlässliche Vertretung ist Gold wert. Vernetz dich früh mit anderen Webdesignerinnen.
- Stell dich breiter auf, zum Beispiel mit Wartungsverträgen und Retainern, damit du nicht nur von einzelnen Projekten abhängst.
- Du veränderst dich als Person. Plan Raum dafür ein, dass dein Wiedereinstieg anders läuft als gedacht.
Wenn du Themenwünsche hast, melde dich gerne. Du findest mich auf Instagram unter @webdesign.women.
Diese Folge gibt es auch zum Hören. Den Link findest du wie immer hier unten.
Deine Steffi