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#8 Fake it till you make it als Freelancerin: warum dieser Ratschlag schadet

Heute geht es um einen Satz, den du bestimmt schon gehört hast: „Fake it till you make it.“ Ihr habt euch dieses Thema in meiner Instagram-Story mehrheitlich gewünscht, also schauen wir uns an, warum dieser Ratschlag für uns 1:1-Dienstleisterinnen einer der schlechtesten ist und was am Ende wirklich funktioniert.

„Fake it till you make it“ ist fast schon ein Standardratschlag an alle Selbstständigen: Tritt einfach selbstbewusst auf, tu so als ob, und irgendwann kommt das Selbstbewusstsein von ganz allein. Also ein bisschen etwas vorspielen, das im Moment noch gar nicht da ist.

Ich verstehe, wo das herkommt, und für manche funktioniert es auch. Wenn du als Speakerin auf einer Bühne stehst und dein Angebot pitchst, kann das klappen. Du trittst auf, performst, und danach bist du wieder weg.

Warum „Fake it till you make it“ für 1:1-Dienstleisterinnen nicht funktioniert

Bei uns Webdesignerinnen, die eins zu eins mit Kundinnen arbeiten, sieht das anders aus. Hier kann der Ratschlag sogar existenzgefährdend werden, wenn wir ständig etwas faken, das noch gar nicht da ist. Denn am Ende müssen wir abliefern. Wir arbeiten mit Menschen zusammen und erstellen ein Ergebnis, und das lässt sich nicht faken.

Dazu kommt: Man spürt es, wenn etwas nicht echt ist. Meistens nimmt man es gar nicht bewusst wahr, aber man fühlt es zwischen den Zeilen. In meiner Folge zu Marketing als introvertierte Webdesignerin habe ich schon darüber gesprochen, wie komisch es rüberkommt, wenn jemand Worte verwendet, die gar nicht zu dieser Person passen. Diese ganzen „Boss Bitches“ und „Hear me out“ und was es da sonst noch an Floskeln gibt. Manche Menschen reden wirklich so, aber vielleicht hast du auch schon eine Mail oder Story gelesen, bei der du dachtest: Das passt irgendwie nicht zusammen.

Faken kostet dich Energie

Stell dir vor, du verkaufst als Webdesignerin ein Angebot, das du noch nie gemacht hast, und willst das nicht zugeben. Dann spürst du eine innere Anspannung. Du arbeitest über deine Grenzen hinaus, und das kostet wahnsinnig viel Energie.

Ich kenne das gut. Am Anfang habe ich mich nie getraut zu sagen, dass ich etwas noch nicht kann. Ich habe meinen Kundinnen gesagt: Ja, das mache ich, das kriege ich hin. Und dann saß ich allein mit der Situation und habe gemerkt, dass es ein ganz schöner Brocken ist. Ich habe mich nicht getraut, mit offenen Karten zu spielen, weil ich dachte, das darf man nicht. Ich bin jetzt selbstständig, ich muss alles können und alles allein schaffen.

Wenn du in solchen Projekten arbeitest, ist das purer Stress für den Körper. Du musst ständig eine Fassade aufrechterhalten und hast in Kundengesprächen vielleicht sogar Angst, ertappt zu werden. Und auch das spüren deine Kundinnen. Vielleicht können sie es nicht benennen, aber wir merken zwischen den Zeilen, wenn etwas faul ist.

Was viel besser funktioniert: Ehrlichkeit

Deshalb funktioniert „Fake it till you make it“ für uns Dienstleisterinnen nicht. Und die eigentliche Frage ist, ob du das überhaupt willst, oder ob du dein Business lieber auf echter Verbindung und Vertrauen aufbaust.

Was ich viel wirkungsvoller finde und selbst erlebt habe: Ehrlichkeit. Ich habe schnell gemerkt, dass ich einfach ehrlich sein kann, auch dann, wenn ich etwas noch nie gemacht habe. Wenn du eine Leistung einführst, die du noch keine hundert Mal gemacht hast, kannst du genau das sagen. Dass du sie zum ersten Mal anbietest. Dass du Beta-Kund:innen suchst, die das mit dir zusammen testen und aufbauen. Oder dass es bessere Konditionen gibt, weil du das Angebot gerade erst etablierst.

Diese Ehrlichkeit kommt richtig gut an. Und du kannst entspannt arbeiten und auch mal Fehler machen, weil der Druck wegfällt, alles perfekt machen zu müssen.

Warum unperfekt gerade besser ankommt

Vielleicht warst du in letzter Zeit auf Instagram unterwegs. Gerade dieses Jahr funktionieren Gründungsstories so gut wie nie: Unternehmerinnen, die an Punkt A stehen und Punkt B erreichen wollen und ihre Follower mitnehmen, wie sie sich selbstständig machen oder einen Skill lernen. Die Menschen lieben das. Ich schaue mir so etwas selbst gern an, weil wir in dieser glattgezogenen KI-Welt geradezu aufatmen, wenn etwas unperfekt ist.

Genauso funktionieren echte Kundenbeziehungen. Wenn du mit offenen Karten spielst, kannst du ganz unkompliziert neue Angebote entwickeln und einführen, ohne den Stress, sofort perfekt sein zu müssen.

Du musst nicht alles können

Und du musst auch nicht alles perfekt beherrschen. Gerade als Webdesignerin gibt es tausend verschiedene Zugänge. Vielleicht hast du einen Designhintergrund und keinen technischen, dann können manche technischen Fehler überfordernd sein. Dann darfst du dir Hilfe holen.

Ich bin zum Beispiel sehr dankbar für den Webdesign Women Club. Dieser Raum hat mir schon bei Fehlern geholfen, die ich vorher noch nie hatte. Ich kann selbstbewusster sein, weil ich weiß, dass ich diesen Background an Kolleginnen habe und einfach mal fragen kann, wie sie etwas lösen. Das nimmt eine große Last und gibt das Gefühl, dass man Dinge schaffen kann.

Die Frage, die du dir stellen kannst

Wenn du dir heute eine Frage stellst, dann diese: Gibt es gerade Leistungen in deinem Angebot, hinter denen du noch nicht wirklich zu hundert Prozent stehst und die dich mehr Energie kosten, weil du das Gefühl hast, du müsstest mehr sein, als du gerade bist?

Und dann überleg mal, was wäre, wenn du einfach ehrlich wärst. Wenn du sagst, dass du das gerade aufbaust, testest und etablierst und genau dafür Menschen suchst. Ich wette, die Reaktionen überraschen dich.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • „Fake it till you make it“ kann auf der Bühne funktionieren, im 1:1-Dienstleistungsgeschäft wird es schnell zum Problem.
  • Faken kostet Energie, weil du eine Fassade aufrechterhalten musst. Deine Kundinnen spüren das zwischen den Zeilen.
  • Ehrlichkeit wirkt stärker. Sag offen, wenn du etwas zum ersten Mal anbietest oder Beta-Kund:innen suchst.
  • Unperfekt kommt gerade besonders gut an. Menschen mögen echte Wege mehr als perfekte Fassaden.
  • Du musst nicht alles können. Hol dir Hilfe, zum Beispiel über ein Netzwerk an Kolleginnen.

Das war es für diese Folge. Ich frage nächste Woche wieder ab, welches Thema ihr euch wünscht, schau also gern auf Instagram unter @webdesign.women vorbei.

Diese Folge gibt es auch zum Hören.

Deine Steffi

Hier anhören:

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Hi ich bin Steffi

Webdesignerin und die Stimme hinter dem Webdesign Women Podcast. Seit Jahren baue ich mir meine Selbstständigkeit so auf, dass sie zu meinem Leben passt. Darüber spreche ich hier: ehrlich, aus eigener Erfahrung und ohne Hochglanz. Wenn du als Webdesignerin selbstständig bist oder es werden willst, bist du hier genau richtig. 

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