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#19 Impostor-Syndrom als Webdesignerin: Wenn du dich wie eine Hochstaplerin fühlst und warum das nichts über dein Können aussagt

In den ersten Jahren meiner Selbstständigkeit hatte ich jedes Mal so einen Moment, in dem ich mich wie eine Hochstaplerin gefühlt habe: wenn ich ein fertiges Design auf Instagram geteilt habe. Sobald ich auf „Teilen“ geklickt habe, wurde ich unsicher. Ich hatte Angst vor der Reaktion, vor allem von meinen Kolleginnen, und dachte: Jetzt fliegt auf, dass ich gar nichts kann.

Ich hatte ein flaues Gefühl im Magen, und der schlimmste Gedanke war: Was, wenn meine Kundin wegen meiner Arbeit schlechtes Feedback bekommt und ich sie blamiere? Vielleicht kennst du das auch. Das ist das Impostor-Syndrom, dieses Gefühl, eine Hochstaplerin zu sein. Es tritt besonders häufig bei Selbstständigen und vor allem bei Frauen auf.

Wichtig ist: Dieses Gefühl ist kein Zeichen von Schwäche oder fehlendem Können, eher im Gegenteil. Zum Impostor-Syndrom gehört viel Reflexion. Menschen, die viel hinterfragen und einen hohen Anspruch an ihre Arbeit haben, kennen dieses Gefühl. Wer naiv an etwas herangeht, hat es eher selten.

Warum gerade Webdesign ein Nährboden dafür ist

Im Webdesign gibt es ganz unterschiedliche Zugänge. Es gibt Programmiererinnen, Grafikdesignerinnen, Menschen mit SEO-Blick und Copywriterinnen, die alle anders auf eine Website schauen. Vielleicht kennst du auch diese Facebook-Gruppen, in denen Seiten zerrissen werden und viele sich von Kolleginnen angegriffen fühlen und ungefragt Feedback bekommen. Dazu ändern sich Tools und Trends ständig, und wir können uns überall permanent vergleichen. Ein idealer Nährboden für das Impostor-Syndrom.

Typische Gedankenmuster

Vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Muster wieder.

Das erste ist, die eigenen Erfolge dem Glück zuzuschreiben. Du denkst, es war Zufall, dass bisher alles gut gegangen ist, und der nächste Misserfolg lauert schon. Dabei erkennst du nicht an, dass hinter dem, was du aufbaust, Wissen, Erfahrung und Arbeit stecken. Ein bisschen Glück ist bei allem mal dabei, aber deine Erfolge haben nicht ausschließlich damit zu tun.

Das zweite ist der Vergleich mit anderen. Wenn du gerade unsicher bist, mach lieber alles aus und konsumier nicht weiter, sonst rutschst du in eine Abwärtsspirale, in der alles besser wirkt als das, was du tust. Schau dir mal deine alten Arbeiten an: Du hast dich weiterentwickelt und würdest manches heute anders machen. Genauso ist es, wenn wir die Arbeiten anderer sehen und denken, da wären wir nie draufgekommen. Wenn du gerade im Vergleichen feststeckst, hör gern in die Folge zu Vergleichen als selbstständige Webdesignerin rein, da gebe ich dir noch ein paar Impulse dazu.

Das dritte ist die Angst, Fragen zu stellen, weil du denkst, du trägst damit deine Unwissenheit nach außen und wirst verurteilt. Das ist einer der Hauptgründe, warum es die Webdesign Women heute gibt. Am Anfang war ich in Facebook-Gruppen aktiv, in denen Menschen für ihre Fragen ausgelacht wurden. In einem Fall hat eine Frau geschrieben, dass sie frisch als Webdesignerin selbstständig ist, und wurde zerrissen, und zwar von Männern. Da zählt diese kollektive Angst vor der Konkurrenz. Ich dachte: Das kann nicht sein, gerade bei Frauen, die zum Impostor-Syndrom neigen, kann so etwas richtig zusetzen.

Geholfen hat mir ein Austausch ganz am Anfang mit anderen Webdesignerinnen, eine davon schon über zehn Jahre selbstständig. Da habe ich gemerkt, dass wir alle nur mit Wasser kochen, dass auch andere googeln und nicht alles wissen. Das hat mich geheilt. Genau dafür gibt es die Webdesign Women und unsere Membership, einen Ort für Austausch, denn ohne diesen Austausch fühlst du dich unsicherer, weil du automatisch denkst, andere seien viel weiter.

Das vierte ist der Perfektionismus, der mit dem Impostor-Syndrom oft Hand in Hand geht. Perfektionismus ist ein Trugschluss: Es geht ja immer noch perfekter. Das baut Druck auf, Projekte verzögern sich, und dann kommt der Gedanke, du seist nicht gut genug. Dass du nicht alles perfekt können musst, habe ich auch in der Folge zu Fake it till you make it als Freelancerin beschrieben.

Und das fünfte ist, dass man Lob nicht annehmen kann und es kleinredet. Das kennst du vielleicht privat: Jemand sagt, du hast eine schöne Jacke, und du antwortest, ach, die war im Sale.

Niemand sieht den Weg zum Ergebnis

Es wird keine Urkunde geben, die dir das Gefühl gibt, gut genug zu sein. Das Gefühl ist intrinsisch, es kommt von innen, nicht von einem Zertifikat.

Dazu kommt, dass Kundinnen und andere immer nur das fertige Ergebnis sehen. Ich urteile zum Beispiel nicht über fremde Websites, weil ich nicht weiß, wie sie zustande gekommen sind. Wir alle wissen, dass der Weg zum Ergebnis manchmal schwieriger ist als gedacht. Ich habe selbst Websites, die ich nie erwähne, weil ich nicht stolz auf das Ergebnis bin, weil sich ein Projekt in eine Richtung entwickelt hat, in der ich irgendwann losgelassen habe.

Im Außen sehen wir immer nur das perfekte Ergebnis, nie den Weg dorthin, die Fehlversuche und das kreative Chaos. Diesen Punkt, an dem du denkst „Ich kann das alles nicht, ich schmeiße alles hin“, erreichst du in fast jeder kreativen Phase. Es gibt die Flow-Phasen, die Phasen, in denen du alles hinterfragst, und die, in denen du alles über den Haufen wirfst. Sie alle gehören dazu, um zum Ergebnis zu kommen. Ich musste lernen, dass auch der Moment, in dem ich meinen besten Entwurf wieder verwerfe, Teil des kreativen Prozesses ist.

Was dir wirklich hilft

Eines hilft nicht: wenn ich dir jetzt sage „Hör auf zu zweifeln“. Das ist, als würde ich sagen, denk nicht an den rosa Elefanten. Was hilft, sind viele kleine Dinge im Alltag, die dir das große Ganze zeigen.

Sehr hilfreich finde ich einen Beweise-Ordner. Speichere dir alles positive Feedback als Screenshot ab, auch Kleinigkeiten und einzelne Sätze. Wenn du in eine Zweifelphase kommst, öffne diesen Ordner und schau ihn dir an. Das hat mich selbstbewusster gemacht, weil wir Menschen dazu neigen, das Negative festzuhalten und das Positive schnell zu vergessen.

Was mir außerdem hilft: Behandle den inneren Kritiker, der in solchen Momenten auftaucht, wie eine fremde Stimme. Gib ihr vielleicht sogar einen Namen oder eine Gestalt. So schaffst du Abstand und kannst manchmal sogar über diese Gedanken schmunzeln. Hilfreich ist auch die Frage: Wenn eine Freundin dir genau diese Gedanken erzählen würde, was würdest du ihr raten? Oft merkst du dann, wie groß du Dinge im Kopf machst, obwohl sie gar nicht so sind.

Trenne außerdem deine Unsicherheit von Inkompetenz. Unsicherheit ist normal und hat nichts mit Inkompetenz zu tun. Inkompetenz würde bedeuten, dass du nie dazulernst, und das stimmt nicht. Es gibt Frauen, die seit vielen Jahren selbstständig sind, das Impostor-Syndrom haben und alles andere als inkompetent sind.

Und schließlich hilft es, offen darüber zu sprechen. Als ich angefangen habe, über das Impostor-Syndrom zu reden, habe ich gemerkt, wie viele es genauso erleben. Die Perfektion, die wir im Außen sehen, und die fehlenden Einblicke führen dazu, dass wir denken, andere hätten das nicht. Schweigen nährt das Impostor-Syndrom.

Es verschwindet nicht über Nacht

Das Schwierige ist, dass das Impostor-Syndrom nicht von heute auf morgen weg ist. Es gehören viele kleine Schritte dazu, und die Tipps helfen nach und nach. Mit der Zeit lernst du, dieses Gefühl nicht mehr ans Steuer zu lassen.

Ganz ehrlich, vielleicht verschwindet es nie ganz. Ich bin schon viele Jahre selbstständig und habe trotzdem Tage, an denen ich mich klein fühle und denke, dass das, was ich tue, keine Relevanz hat und ohnehin jede schon weiß. An solchen Tagen gehe ich darauf ein und teile dann vielleicht kein Design, nehme keine Podcast-Folge auf und schreibe keinen Blogbeitrag, wenn ich gerade nicht gut damit umgehen kann.

Überleg dir mal, wann du dieses Gefühl ganz stark hattest und sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass es überhaupt nicht stimmte. Solche Belege helfen. Schreib sie dir auf, dann wirst du Stück für Stück selbstbewusster im Umgang mit dieser inneren Stimme.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Das Impostor-Syndrom ist kein Zeichen von fehlendem Können, sondern oft von Reflexion und hohem Anspruch.
  • Webdesign ist ein Nährboden dafür: viele Zugänge, ständiger Wandel und permanenter Vergleich.
  • Typische Muster: Erfolge dem Glück zuschreiben, sich vergleichen, Angst vor Fragen, Perfektionismus und Lob nicht annehmen können.
  • Niemand sieht den Weg zum Ergebnis, nur das fertige Bild. Das kreative Chaos gehört dazu.
  • Was hilft: ein Beweise-Ordner, den inneren Kritiker auf Abstand halten, Unsicherheit von Inkompetenz trennen und offen darüber sprechen.
  • Es verschwindet nicht über Nacht. Sei an schweren Tagen gut zu dir.

Wie immer freue ich mich über deine Nachricht auf Instagram unter @webdesign.women.

Diese Folge gibt es auch zum Hören.

Deine Steffi

Hier anhören:

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Hi ich bin Steffi

Webdesignerin und die Stimme hinter dem Webdesign Women Podcast. Seit Jahren baue ich mir meine Selbstständigkeit so auf, dass sie zu meinem Leben passt. Darüber spreche ich hier: ehrlich, aus eigener Erfahrung und ohne Hochglanz. Wenn du als Webdesignerin selbstständig bist oder es werden willst, bist du hier genau richtig. 

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