Vor ein paar Tagen hat mir eine Webdesign Woman auf Instagram diese Frage gestellt: Glaube ich, dass KI uns als Webdesignerinnen in den nächsten Jahren ersetzt? Deshalb gibt es heute eine ganze Folge dazu, zu KI in Bezug auf unser Webdesign-Business und auch zu meiner Meinung zum Thema insgesamt.
Bei mir ist das nämlich gemischt. Einerseits finde ich beeindruckend, was KI mittlerweile kann. Eine andere Seite von mir findet die Entwicklung beängstigend. Und eine dritte Seite findet vieles davon einfach nervig. Trotzdem sehe ich auch Chancen.
Was ich an KI schätze
Im Alltag erleichtert mir KI gerade einiges. Wenn ich zum Beispiel ein Videotraining habe, ziehe ich mir das Transkript, gebe es der KI und bekomme daraus ganz schnell verschiedene Content-Pieces. Das ist eine echte Erleichterung, und auch bei der Bildbearbeitung ist mittlerweile vieles möglich, was vorher undenkbar war.
Im letzten Jahr habe ich mich allerdings zu sehr darauf verlassen. Ich habe irgendwann alle meine Texte von KI schreiben lassen, bis ich selbst gemerkt habe: Alter Schwede, du schreibst so komisch. Dieses typische glattgebügelte KI-Geschreibe. Da habe ich aufgehört. Ich habe auch gemerkt, wie sich mein Hirn in kürzester Zeit verändert hat, weil ich jede Nachricht direkt von KI schreiben lassen wollte.
Das heißt nicht, dass ich KI gar nicht mehr nutze, auch nicht für Texte. Ich nutze sie nur anders. Und weil sich durch KI gerade alles gleich anhört, liegt darin sogar eine Chance: Wenn du eben nicht alles von der KI schreiben lässt, hebst du dich wieder von der Masse ab, so verrückt das klingt.
Warum ich KI auch kritisch sehe
Es gibt auch eine große Schattenseite. Wir wissen alle nicht, wohin das Ganze führt, und ich glaube nicht, dass Politik und Gesellschaft darauf vorbereitet sind. KI hat schon enorme Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und wird noch viel größere haben.
Wenn ich dann lese, dass einer der führenden Köpfe hinter der KI-Entwicklung seinen Job bei Google aufgibt, weil er nicht mehr vertreten kann, wohin sich das alles entwickelt, dann bekomme ich schon Bauchschmerzen. Ich bin mir also bewusst, dass ich nicht alles gut finde, und hänge nicht einfach am KI-Hype.
Und ganz ehrlich, nervig finde ich auch, dass inzwischen überall KI mit drin ist. Ich brauche nicht in jedem Produkt, in jeder Software, in jeder App eine KI-Funktion. Brauche ich nicht, will ich nicht, nervt mich tierisch. Da bin ich dann ein richtiger Boomer.
Die eigentliche Frage: Ersetzt KI uns Webdesignerinnen?
Jetzt zur eigentlichen Frage. Unser Business verändert sich, das tut es schon die letzten drei, vier Jahre, und es werden auch Menschen aussortiert, die in diesem Bereich nicht weiterarbeiten. Aktuell sehe ich, dass fast jeder digitale Beruf Veränderungen durch KI erfährt.
Aber wir setzen ja nicht nur Websites um. Das ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit, der ganze strategische Part kommt dazu. Wir arbeiten mit Unternehmerinnen zusammen, die Expertinnen brauchen, um eine Situation zu lösen, mehr zu verkaufen oder sichtbar zu werden.
Baukastensysteme gibt es übrigens schon ewig, und da gab es genau dieselbe Diskussion: Es braucht keine Webdesignerinnen mehr, weil es ja die Baukästen gibt. Aber eine Unternehmerin, die ihr Business wirklich weiterentwickelt, lässt sich keine KI-Website von irgendjemandem zusammenschustern. Sie sucht sich Expertinnen. Genauso wird es weitergehen. Die Art, wie wir arbeiten, hat sich verändert, und da müssen wir am Ball bleiben, damit wir nicht unrentabel werden, weil wir den Absprung verpassen. Aber die Expertise braucht es weiterhin.
Der menschliche Faktor ist unser Vorteil
Genau hier sehe ich unseren Vorteil, weil gerade alle nach dem menschlichen Faktor suchen. Wichtig sind unsere eigenen Erfahrungen. Nicht die Dinge, die man googeln kann, „5 Tipps für irgendwas“, sondern was ich als Steffi wie erlebt habe und was davon in meine Arbeit einfließt. Diese glattgebügelte KI kann das nicht abnehmen, weder in unserer Persönlichkeit im Marketing noch in unserer eigentlichen Arbeit.
Die Menschen, die sich jetzt selbst eine KI-Website zusammenbauen, wollen wir ohnehin nicht als Kundinnen. Das sind dieselben, die auch mit Baukästen arbeiten, und das ist vollkommen in Ordnung. Über Sicherheit und Datenschutz sprechen wir da noch gar nicht, denn das hat oft noch Lücken, ähnlich wie bei einer Canva-Website. Unsere Expertise liegt im ganzen Drumherum: Wir setzen schnell um, kennen verschiedene Branchen, Bedürfnisse und Ziele einer Website. Welche Kundinnen wirklich zu dir passen, habe ich in der Folge zu Wunschkundin als Webdesignerin finden genauer beschrieben.
KI als Werkzeug nutzen, nicht die Überhand geben
Wenn wir uns so positionieren und nicht mehr nur über die reine Website sprechen, weil die nur ein Werkzeug ist, sondern über unsere Expertise, dann werden wir weiterhin gebraucht.
Und natürlich dürfen wir diese Tools selbst nutzen. Wir können KI verwenden, um eine Website zu erstellen oder uns die Arbeit zu erleichtern. Programme wie Photoshop haben inzwischen KI-Funktionen, vieles geht schneller als früher. Wir wären schön blöd, das nicht zu nutzen, und das heißt trotzdem nicht, dass es uns nicht mehr braucht. Die Frage ist nur, wie wir uns positionieren, wie wir über unsere Arbeit sprechen und wen wir ansprechen wollen. Das ist der springende Punkt.
Mein Fazit
Ich spreche bewusst nicht die Menschen an, die sich selbst eine KI-Website zusammenbauen, sondern Unternehmerinnen, die einen echten Bedarf haben, ihr Business weiterentwickeln wollen und eine Expertin brauchen, die berät, Erfahrung hat und umsetzt. Deshalb sehe ich das gar nicht so schwarz.
Es wird immer wichtiger, sich selbst und seine Persönlichkeit zu zeigen, um sich von KI abzuheben, und KI als Hilfsmittel zu nutzen, ohne ihr die Überhand zu geben. Das ist meine Meinung zum jetzigen Zeitpunkt, und ich bin selbst gespannt, wie ich in einem oder zwei Jahren darüber rede.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- KI kann viel erleichtern, aber zu viel Verlass darauf führt zu glattgebügelten, austauschbaren Texten.
- Genau diese Gleichförmigkeit ist eine Chance: Wer menschlich bleibt, hebt sich ab.
- Wir setzen nicht nur Websites um. Strategie, Erfahrung und Beratung lassen sich nicht einfach ersetzen.
- Wer sich selbst eine KI-Website baut, ist meist ohnehin nicht deine Wunschkundin.
- Nutze KI als Werkzeug, aber gib ihr nicht die Überhand. Entscheidend ist deine Positionierung.
Mich interessiert, wie du das siehst. Schreib mir gern deine Meinung auf Instagram unter @webdesign.women.
Diese Folge gibt es auch zum Hören.
Deine Steffi