Heute geht es um ein Thema, das mir sehr häufig begegnet, bei mir selbst und bei den Webdesign Women aus der Community: Marketing als introvertierte Designerin. Warum introvertiert sein nicht bedeutet, dass du unsichtbar bleiben musst, und wie du deinen eigenen Weg findest.
Vielleicht denkst du jetzt: Steffi, du bist doch sichtbar, du machst Reels und Online-Meetups. Stimmt. Und trotzdem bin ich introvertiert. Introvertiert heißt nämlich nicht, dass man schüchtern oder zurückhaltend ist. Es beschreibt, wie man Energie auftankt, und ich tanke auf, wenn ich allein bin, nicht in großen Gruppen.
Es war richtig viel Arbeit, an diesen Punkt zu kommen und meine Art, Marketing zu machen, zu finden. Das kam nicht über Nacht und nicht von allein. Ich musste viel lernen und war oft außerhalb meiner Komfortzone. Das musst du nicht, ich wollte es. Deshalb teile ich heute ein paar Dinge, die mir als introvertierte Person geholfen haben, trotzdem sichtbar zu sein.
Punkt 1: Akzeptieren, dass Marketing mich Energie kostet
Das Allerwichtigste war für mich, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Dass Marketing mich Energie kostet. Dass es okay ist, dass ich Vorbereitungszeit und Nachbereitungszeit brauche und nicht den Mittelpunkt suche. Ich kann trotzdem Raum einnehmen, ich muss es nur anders planen.
Für mich heißt das vor allem: Pausen einplanen und sie auch nehmen. Wenn ich mehrere Zoom-Calls habe, plane ich genug Pausen dazwischen. Fünf Calls am Tag gehen bei mir nicht. Kundinnen-Termine mache ich höchstens zwei, eigentlich reicht mir einer. Ich habe lange jedes Mal Kopfschmerzen bekommen, wenn ich einen Call nach dem anderen gelegt habe. Das war ein Lernen am eigenen Körper. Seit ich Pausen plane, vom Schreibtisch aufstehe und Calls nicht hintereinander lege, ist es viel besser. Ein Online-Meetup kostet mich so viel Energie, dass ich an dem Tag keine weiteren Calls mehr halten kann.
Punkt 2: Eine Strategie finden, die zu mir passt
Nicht jede Marketingstrategie passt zu jedem Menschen. Wir müssen nicht jedes Marketingpferd reiten, das gerade durchs Dorf getrieben wird.
Ich teste gerade viel mit Reels, und das funktioniert bei mir nur, weil ich in Batches arbeite. Ich bündle den Videodreh und die Skripte. Auf meinem Handy habe ich eine ganz unkomplizierte Datenbank, in der ich alle Ideen sammle. Dann nehme ich mir einen Tag zum Drehen, schneide abends ein Reel und veröffentliche es am nächsten Tag. So gehen Reels für mich.
Für Workshops und Online-Meetups brauche ich genug Zeit davor und danach, und ich muss mir wirklich aufschreiben, was ich sagen will. Bei mir ist immer die Angst da, etwas zu vergessen, und es ist schon passiert, dass ich nach einem Workshop dachte: Das Wichtigste hast du gar nicht gesagt.
Der Podcast ist gerade ein richtig schöner Kanal für mich, weil die Hemmschwelle so viel geringer ist. Ich schreibe mir Themen und Rückmeldungen aus der Community auf dem Handy auf, und wenn ich Zeit habe, nehme ich die Folge auf. Dabei ist es egal, wie ich aussehe oder wie es um mich herum aussieht. Ich kann mich einfach hinsetzen und loslegen.
Meinen Newsletter bespiele ich gerade gar nicht (Edit: Schon ein paar Monate später sieht die Sache ganz anders aus und ich bespiele den Newsletter regelmäßig) weil ich nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen kann, gerade mit meiner neuen familiären Situation. Wichtig finde ich auch, etwas über einen gewissen Zeitraum auszuprobieren, um zu merken, ob es wirklich für mich funktioniert. Was sich heute gut anfühlt, kann in einem halben Jahr schon wieder anders aussehen.
Punkt 3: Vorbereitung gibt mir Sicherheit
Ich brauche Vorbereitung, ich stelle mich gern auf eine Situation ein und werde nicht gern überrumpelt. Spontane Posts und Stories gehen bei mir trotzdem, aber für Reels schreibe ich mir vorher Stichpunkte auf. Das Schöne daran: Wenn ich mich verspreche, kann ich es schneiden.
Eine Zeit lang habe ich mehr Lives gemacht, und die fand ich viel unberechenbarer, weil ich nichts schneiden konnte. Diese fehlende Kontrolle hat mich nervös gemacht und mich viel mehr Energie gekostet. Deshalb lasse ich das gerade. Vorbereitung gibt mir viel Sicherheit, und ich muss einfach einplanen, dass ich diese Zeit brauche.
Punkt 4: Meine eigene Sprache statt fremdem Kostüm
„Fake it until you make it“ funktioniert für mich nicht. Ich muss meinen eigenen Weg finden, wie ich auftrete. Während meiner Selbstständigkeit habe ich unter dem Einfluss von Mentorinnen, mit denen ich gearbeitet habe oder denen ich gefolgt bin, zeitweise meine eigene Sprache verloren. Gemerkt habe ich: Es funktioniert nur, wenn ich mich so ausdrücke, wie ich wirklich spreche.
Es ist noch immer modern, mit harter „Leadership“-Sprache und englischen Floskeln um sich zu werfen. Vielleicht kennst du das: Du liest ein Posting oder eine Mail und denkst, die Wortwahl passt gar nicht zu dieser Person. Man kann eben kein fremdes Kostüm überziehen, weil man energetisch merkt, dass die Person sich so nie ausdrücken würde.
Ich bin eine viel sanftere Person. Solche harten Worte sind nicht in meinem Wortschatz, also lasse ich sie weg. Ich kann auch auf meine sanfte Art selbstbewusst auftreten, das musste ich erst finden. Man verliert sich super schnell, weil man sich Inspiration bei anderen holt. Bei sich selbst und der eigenen Art zu bleiben, ist manchmal echt eine Herausforderung. Für mich war es der Punkt, an dem sich mein Marketing endlich gut angefühlt hat.
Punkt 5: Meinen eigenen Rhythmus finden
Mit dem Rhythmus steht und fällt alles. Vielleicht kennst du diese Challenges: Ich poste jetzt jeden Tag oder schreibe jeden Tag Newsletter. Das geht ein, zwei Tage gut. Aber große Ziele, die nicht zu deinem realistischen Alltag passen, weil du kleine Kinder hast, weniger Stunden zur Verfügung oder parallel Kundenprojekte stemmst, demotivieren nur.
Ich bin eine Freundin von großen Zielen, aber ich teile sie in realistische Schritte. Wenn du sichtbarer werden willst, muss die Challenge nicht heißen, jeden Tag ein Reel zu drehen. Vielleicht ist der Zwischenschritt einfach, jeden Tag eine Sache für deine Sichtbarkeit zu tun. Das kann auch sein, jemandem eine Nachricht zu schreiben oder etwas zu kommentieren.
Für mich habe ich festgelegt, dass ich nichts mehr mache, nur weil man es eben so macht. Stattdessen achte ich auf meinen eigenen Rhythmus und darauf, wie ich als introvertierte Person meine Zeit so einteile, dass ich nicht ausbrenne.
Auch als introvertierte Person kannst du erfolgreich Marketing machen
Du musst nicht jeden Tag posten, nicht auf jedes Networking-Event gehen und nicht ständig erreichbar sein, um erfolgreich zu sein. Und du musst auch nicht wie eine extrovertierte Person werden.
Oft sehen wir eine Strategie, mit der jemand anderes erfolgreich ist, probieren sie aus, sind nicht erfolgreich und sind frustriert. Dann lag es aber nur daran, dass die Strategie nicht zu dir und deiner Situation passt. Als introvertierte Person kannst du genauso erfolgreich Marketing machen, wenn du den richtigen Kanal und den richtigen Rhythmus wählst, du selbst bleibst und einplanst, dass du als introvertierte Person andere Voraussetzungen brauchst.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Introvertiert heißt nicht schüchtern, sondern dass du allein Energie tankst. Sichtbarkeit ist trotzdem möglich.
- Akzeptiere, dass Marketing dich Energie kostet, und plane Pausen fest ein.
- Wähle eine Strategie, die zu dir passt, statt jedem Trend hinterherzulaufen. Batches helfen mir sehr.
- Vorbereitung gibt Sicherheit. Was du schneiden kannst, nimmt den Druck raus.
- Bleib bei deiner eigenen Sprache, statt ein fremdes Kostüm überzuziehen.
- Finde deinen Rhythmus und teile große Ziele in realistische Schritte.
Wenn du selbst introvertiert bist und deinen eigenen Weg im Marketing gefunden hast, schreib mir gerne. Vielleicht hast du noch einen Impuls oder eine Ergänzung. Du findest mich auf Instagram unter @webdesign.women.
Diese Folge gibt es auch zum Hören.
Deine Steffi