Es gab eine Zeit in meiner Selbstständigkeit, da war mein Mental Load enorm hoch. Ich hatte viele Projekte gleichzeitig, große Ziele, und natürlich habe ich mir den Druck auch selbst gemacht, diese Ziele so schnell wie möglich zu erreichen. Ich war mit dem Kopf immer schon beim nächsten Schritt und hatte ständig das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben, um alles umzusetzen.
Das hat dazu geführt, dass ich viel zu viel gearbeitet habe. Ich habe mein Privatleben komplett heruntergefahren und jede freie Minute in mein Business gesteckt. Und wenn ich nicht daran gearbeitet habe, habe ich daran gedacht, im Bett, auf dem Fahrrad, eigentlich ständig. Dieser Mental Load ist real. Als selbstständige Person musst du permanent tausend Dinge gleichzeitig im Kopf haben, und irgendwann kannst du gar nicht mehr abschalten.
Warum Mental Load in der Selbstständigkeit so schwer wiegt
Müde gemacht hat mich damals nicht die Arbeit selbst. Es war dieses ganze Drumherum, dieses ständige Mitdenken, auch wenn ich eigentlich längst Feierabend hatte. Dazu kommt, dass wir in der Zusammenarbeit mit Kundinnen oft nicht nur für uns denken, sondern auch für sie. Wir erinnern, haken nach und behalten im Kopf, was noch zu tun ist.
Dieses Thema wird oft unterschätzt. Bevor ich gegründet habe, hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, was da auf mich zukommt und wie es sich anfühlt, nie zu hundert Prozent abschalten zu können. Selbst in meiner Babypause habe ich so wenig wie möglich gemacht und trotzdem wusste ich immer, dass die Buchhaltung jeden Monat ansteht und dass es To-dos mit Fristen gibt, an denen andere Menschen hängen. So saß ich manchmal mit dem Baby auf dem Arm da und habe an die Arbeit gedacht. Über das große Ganze dahinter habe ich auch in der Folge zu Work-Life-Balance gesprochen.
Das ist so ein schmaler Grat in der Selbstständigkeit. Ich will Dinge bewegen und verändern, ich habe Ziele und will irgendwo ankommen. Das lädt uns auf und setzt uns unter Druck, weil wir noch nicht dort sind, wo wir gern wären.
Die Frage, die mir am meisten geholfen hat
Was mir bei dem ganzen Thema am meisten geholfen hat, ist eine ehrliche Frage an mich selbst: Welche Dinge in meinem Unternehmen geben mir Energie, und welche ziehen sie mir? Manchmal rutschen wir aus einer Selbstverständlichkeit heraus in Konstrukte, die uns gar nicht guttun, weil wir vieles übernehmen, was wir sehen und hören, ohne zu hinterfragen, ob wir dafür überhaupt gemacht sind.
Daran schließt sich die nächste Frage an: Muss ich alles selbst machen, oder kann ich Dinge abgeben, die mir Energie ziehen? Ich habe mir zum Beispiel direkt zur Gründung eine Steuerberaterin gesucht. Mir war klar, dass ich mich nicht Monat für Monat mit den Steuersachen beschäftigen will, auch wenn ich mich damals viel damit auseinandergesetzt habe, weil man nichts blind abgeben sollte. Bei einer meiner ersten Websites hatte ich das Problem, dass die Seite plötzlich sehr langsam war, und ich konnte es mir nicht erklären. Da habe ich mir eine Beratungsstunde bei einem Webdesigner gebucht, der sich die Seite mit mir angeschaut hat. Allein hätte ich viel länger gebraucht.
Wenn du solche energieziehenden Dinge abgibst, bleibt mehr Raum für das, was dir guttut. Natürlich kannst du in der Selbstständigkeit nicht alles delegieren. Aber du kannst es wahrnehmen und deinen Zeitplan danach ausrichten. Ich starte zum Beispiel gern mit einer schönen Aufgabe in den Tag. Manche brauchen das Gegenteil, dieses Eat the Frog, und erledigen zuerst das Unangenehme. Bei mir ist es der Montagvormittag, an dem ich mich erst einmal austobe und das mache, was mir Spaß macht, bevor ich mich in E-Mails oder Kundenprojekte einlese. Und wenn es nur ein, zwei Stunden sind.
Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht
Ein Satz hat mir damals besonders geholfen: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Das trifft in der Selbstständigkeit und eigentlich im ganzen Leben so sehr zu, gerade wenn wir ein Ziel unbedingt erreichen wollen.
Ich musste lernen, wieder dem Prozess zu vertrauen. Wenn wir etwas erreicht haben, kommt sofort das Nächste, und so hetzt man sich am Ende selbst durch die Selbstständigkeit. Wenn ich an einem Tag zwölf Stunden arbeiten wollte, um noch etwas fertigzubekommen, war ich am nächsten Tag unkonzentrierter. Alles, was ich tue, hat eine Konsequenz. Also mache ich lieber früher Feierabend, wenn ich merke, dass ich nicht mehr konzentriert bin, und gehe am nächsten Tag mit frischem Kopf an die Sache. Dieser Druck bringt nichts, denn Dinge brauchen die Zeit, die sie brauchen. Für mich steckt in diesem Satz sogar eine große Leichtigkeit, weil er mir die Erlaubnis gibt, loszulassen.
Mach dir deinen Mental Load sichtbar
Mein größter Knackpunkt war, dass ich mir zu viel aufgeladen habe. Ich hatte fünf To-dos am Tag, aber morgens und abends hingen unsichtbare To-dos oben und unten dran, die ich einfach mitgemacht habe, ohne sie zu sehen. Als der Plan für die Webdesign Women entstand, habe ich die zusätzlichen To-dos einfach an meinen normalen Tag gehängt und schnell gemerkt, dass da auf einmal viel zu viel ist.
Was mir geholfen hat, war, das Ganze sichtbar zu machen und meine To-dos direkt in den Kalender einzutragen. Da habe ich gesehen, wie unrealistisch mein Plan war und dass zwei oder drei To-dos für einen Tag völlig reichen. Mein Mental Load ist dadurch ruhiger geworden, weil ich nicht mehr ständig das Gefühl hatte, zu wenig zu schaffen. Ich hatte mir schlicht zu viel vorgenommen, die Stunden waren gar nicht da. Realistisch zu planen, mit Pufferzeiten, hat mir eine große Ruhe im Kopf gegeben. Mehr dazu, wie ich meine Zeit priorisiere, findest du in der Folge zu Prioritäten setzen.
Angebote auf mich zuschneiden
Der nächste Schritt war, dass ich meine Angebote angepasst und auf mich zugeschnitten habe. Ich habe ehrlich geprüft: Passt das zu mir, zu meinem Leben, zu der Art, wie ich arbeiten möchte? So habe ich zum Beispiel die Website Sprints integriert. Das war ein großer Schritt, mein Business wirklich auf mich zuzuschneiden. Wie dieses Modell funktioniert, habe ich in der Folge zu den Website Sprints beschrieben, und wenn dich das Thema interessiert, trag dich gern auf die Warteliste ein.
Mental Load kommt zurück wie ein Bumerang
Wenn sich eine Situation im Leben ändert, kann der Mental Load wie ein Bumerang zurückkommen. Ich habe das gemerkt, als das Baby da war und ich wieder angefangen habe zu arbeiten. Auf einmal war es eine ganz andere Art von Mental Load. An der Zeit liegt es nicht, ich arbeite heute sogar viel weniger als früher. Aber wenn ich arbeite, nimmt das Baby Raum in meinem Kopf ein, und andersrum. Die Mamas unter euch nicken jetzt wahrscheinlich.
Das Gute ist, dass ich meine Werkzeuge inzwischen kenne. Ich weiß, was mir guttut und was mir Energie zieht, und ich habe in den letzten Monaten schon Entscheidungen getroffen, die meinen Mental Load reduzieren. Ich musste zum Beispiel die kostenlosen Online-Meetups loslassen, was mir super schwergefallen ist, weil ich diesen monatlichen Austausch geliebt habe. Meine Tarot-Freundin sagt immer, dass man nichts geben kann, wenn die eigenen Kelche gerade leer sind. Kostenlos etwas rausgeben kann ich nur, wenn ich selbst genug Energie habe.
Das ist der wichtigste Punkt für mich: So etwas kommt wieder zurück, und es lohnt sich, bewusst zu bleiben und bereit zu sein, Dinge erneut zu verändern, wenn du merkst, dass dir etwas nicht mehr guttut, das dir vor einem Jahr vielleicht noch gutgetan hat. Du bist selbstständig und darfst es jederzeit für dich anpassen. Und du darfst dir Hilfe holen. Ich habe mir damals eine Coachin an die Seite geholt, die mich begleitet hat. Aus demselben Grund biete ich heute Mentorings an, um andere Frauen zu begleiten, die etwas in ihrem Business verändern wollen, es aber nicht allein schaffen. Manchmal ist es einfach leichter mit einem Blick von außen.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Mental Load ist das unsichtbare Dauer-Mitdenken, das in der Selbstständigkeit nie ganz verschwindet.
- Frag dich ehrlich, was dir Energie gibt und was sie dir zieht, und gib ab, was du abgeben kannst.
- Das Gras wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst. Druck bringt dich nicht schneller ans Ziel.
- Mach dir deinen Mental Load sichtbar, indem du To-dos realistisch in den Kalender einträgst.
- Schneide deine Angebote so zu, dass sie zu dir und deinem Leben passen.
- Mental Load kommt in neuen Lebensphasen zurück. Bleib bewusst und pass immer wieder neu an.
Wenn dir eine Folge schon einmal weitergeholfen hat, freue ich mich sehr über eine positive Bewertung, das ist ein kleines Dankeschön zurück. Und schreib mir gern auf Instagram unter @webdesign.women, wie du mit deinem Mental Load umgehst.
Diese Folge gibt es auch zum Hören.
Deine Steffi