Als ich mich 2020 selbstständig gemacht habe, war eine meiner ersten Amtshandlungen, Instagram zu installieren. Ich wusste, ich brauche irgendwo eine Bühne, wo ich sichtbar werde und wo man mich kennenlernen kann, unabhängig von meiner Website. Also Instagram. Dass ich das überhaupt mache, habe ich nie hinterfragt.
Genau das ist der Punkt, um den es heute geht. Bei uns im Webdesign Women Club war diese Woche Alexandra Polunin zu Gast, mit einem Vortrag zum Thema Marketing ohne Social Media. Ein paar ihrer Gedanken haben bei mir etwas ausgelöst, und die möchte ich mit dir teilen, weil ich glaube, dass sie auch für dich als Webdesignerin oder Selbstständige relevant sind.
Es geht nicht darum, Social Media zu verteufeln. Es geht um die Frage, ob du Social Media als Webdesignerin wirklich brauchst, oder ob du es nur machst, weil man es eben so macht.
Als ich 2020 gestartet bin, war Instagram gesetzt
Mein Hauptkanal war von Anfang an Instagram. Ich war auch bei Facebook, aber Instagram war der Ort, an dem ich mich gezeigt habe. Und es lief richtig gut. Ich habe viele Aufträge über Social Media bekommen und ich habe Menschen einfach leichter erreicht.
Das war die Zeit, in der das fast von selbst lief. Zwischen 2020 und 2022 war praktisch jeder online, ein Lockdown nach dem anderen, und über Instagram hast du Menschen super leicht erreicht.
Warum Social Media Marketing heute anders funktioniert
Instagram hat sich verändert, vor allem mit der Einführung von Reels. Darüber muss man gar nicht streiten, das ist einfach so. Es ist schwieriger geworden, Menschen zu erreichen und sich von null etwas aufzubauen, wenn du nicht ständig sehr kreative Formate raushaust. Und die fressen ziemlich viel Zeit.
Gleichzeitig wenden sich immer mehr Menschen ab oder konsumieren anders. Ich merke das an mir selbst. Ich bin als Konsumentin weniger unterwegs, konsumiere passiver, bin schneller gelangweilt und lese weniger. Meine Aufmerksamkeitsspanne hat sich total verändert. Und das hat natürlich Auswirkungen darauf, wie unser Marketing überhaupt noch ankommt.
Frage 1: Bringt Social Media dir überhaupt Kundinnen?
Das war der erste Gedanke aus Alex‘ Vortrag, der mich nicht losgelassen hat. Funktioniert dieser Marketingkanal überhaupt für dich? Oft beschäftigen wir uns so sehr mit einer Plattform und haben das Gefühl, wir müssten dort präsent sein, dass wir gar nicht mehr hinterfragen, ob sie für uns die richtige ist.
Eine Webdesign Woman hat im Club etwas geteilt, das hängengeblieben ist: Sie macht schon lange Social Media Marketing, aber wenn sie ehrlich ist, ist darüber noch keine einzige Kundin zu ihr gekommen. Genau da liegt der springende Punkt.
Ich habe 2024 und 2025 mit meinem Design-Business eine Social-Media-Pause gemacht. Und ich hatte trotzdem Anfragen. Weniger, andere, aber sie kamen. Was sich verändert hat, waren meine Kanäle.
Mein Tipp: Nimm in dein Anfrageformular oder ins Erstgespräch die Frage auf, wie die Person auf dich aufmerksam geworden ist. Bei mir hat das gezeigt, dass meine Anfragen mittlerweile über Google kommen, manche sogar über ChatGPT. Dieses Wissen hat mir den Druck genommen, ständig auf Social Media liefern zu müssen.
Frage 2: Passt mein Marketing zu meinen Werten?
Der zweite Gedanke beschäftigt mich schon länger, vor allem seit letztem Jahr, mit all dem, was auf politischer und gesellschaftlicher Ebene passiert ist, gerade in Amerika.
Wenn wir auf einer Plattform aktiv sind und sie nutzen, dann unterstützen wir damit auch die Menschen, die sie betreiben. Bei Instagram, bei Twitter, das heute X heißt, habe ich mich im letzten Jahr immer wieder gefragt, welche Werte die Menschen hinter diesen Plattformen eigentlich vertreten und ob ich das mittragen möchte.
Als Selbstständige kannst du jetzt nicht einfach sagen, ich lösche alles. Das muss durchdacht sein und zu deiner Strategie passen, gerade wenn deine Kundinnen zum Beispiel über LinkedIn oder TikTok zu dir kommen.
Die eigentliche Frage dahinter ist eine andere: Bin ich auf einer Plattform, weil sie zu mir passt, weil meine Kundinnen dort sind und weil ich es gerne mache? Oder weil ich das Gefühl habe, ich muss? Diesen Gedanken kannst du auf vieles übertragen. Wie ich meine Texte schreibe, wie ich über meine Angebote spreche, wie ich meine Funnel baue oder ob ich überhaupt Funnel betreiben will. Ich hinterfrage immer mehr, ob das, was ich tue, wirklich zu meinen Werten passt.
Warum ich unsere Facebook-Gruppe geschlossen habe
Eine Sache habe ich lange mit mir herumgetragen: unsere Webdesign Women Community auf Facebook. Die Gruppe ist aus dem Gedanken entstanden, einen Ort zu schaffen, an dem man Fragen stellen kann.
Irgendwann wollte ich da selbst nicht mehr reinschauen. Ich habe Facebook gemieden, weil ich das Gefühl hatte, dass Hass und Hetze dort am sichtbarsten waren. Die Gruppe wurde ruhiger und ruhiger, und trotzdem war sie noch da.
Ende letzten Jahres habe ich sie trotz über 500 Webdesignerinnen geschlossen. Und es fühlt sich richtig an. Ich glaube, wir sind in einer Zeit, in der wir uns solche Fragen stellen müssen und danach auch handeln dürfen.
Was du dich selbst fragen kannst
Vielleicht löst das bei dir etwas aus. Was machst du in deinem Business, weil du denkst, du müsstest es so tun? Und was davon musst du eigentlich gar nicht?
Das ist keine Aufforderung, morgen alle Profile zu löschen. Es ist eine Einladung, ehrlich hinzuschauen, statt einfach weiterzumachen, weil man es immer so gemacht hat.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Social Media ist ein Kanal, keine Pflicht. Prüfe, ob er für dich wirklich funktioniert.
- Frag deine Anfragen, wie sie auf dich gekommen sind. Oft kommen Kundinnen längst über Google oder Suchanfragen, nicht über Instagram.
- Eine Social-Media-Pause muss nicht das Ende von Anfragen bedeuten.
- Achte darauf, ob dein Marketing zu deinen Werten passt, nicht nur zu deinen Gewohnheiten.
- Entscheidungen wie das Schließen einer Plattform dürfen Zeit brauchen, und sie dürfen sich gut anfühlen.
Solche Vorträge wie den von Alex gibt es übrigens regelmäßig bei uns im Webdesign Women Club du kannst dir dort auch die Aufzeichnung anschauen.
Mich interessiert deine Meinung dazu wirklich. Wenn du magst, schreib mir auf Instagram unter @webdesign.women.
Und falls dich das Thema gepackt hat: Alexandra Polunin hat in den letzten Jahren drei Bücher veröffentlicht, statt auf Social Media aktiv zu sein. Ihre Website verlinke ich dir
Diese Gedanken gibt es auch als Podcast-Folge zum Hören. Du findest hier unten die Links
Deine Steffi