Heute wird es ein bisschen tiefer. Es geht um etwas, das in der Selbstständigkeit super schnell passiert: wenn dein Business Stück für Stück, ganz schleichend, dein komplettes Leben einnimmt.
Und damit meine ich nicht nur das viele Arbeiten am Schreibtisch. Ich meine auch das Gefühl, dass sich deine Gedanken nur noch um Projekte, Kundschaft, To-dos und Verantwortung drehen. Vielleicht kennst du das: Du machst Feierabend, gehst vom Schreibtisch weg, aber dein Kopf arbeitet weiter. Du bist nicht mehr am Laptop, aber die Gedanken hängen noch im Projekt.
Oder du merkst, dass du keine Energie mehr für deinen Alltag hast und gar keine Entscheidungen mehr treffen möchtest, weil sich alles nur noch um deine Selbstständigkeit dreht. Ich kenne das. So war mein Ich noch vor ein paar Jahren.
Wie das Business schleichend dein ganzes Leben übernimmt
Das Fatale ist: Es passiert nicht von heute auf morgen. Es schleicht sich langsam an. Als ich gegründet habe, war eine weltweite Pandemie, man konnte ohnehin nicht viel anderes tun, also habe ich viel gearbeitet. Die Anfangsjahre kosten viel Energie, wenn du dir überhaupt erst etwas aufbaust. Ich habe mir in dieser Zeit ziemlich ungesunde Gewohnheiten angeeignet.
Am Anfang fühlt sich das sogar gut an. Du bist motiviert, willst vorankommen, etwas aufbauen, etwas gut machen, und du bist dankbar für jeden Auftrag. An genau diesem Punkt rutscht man unbemerkt in die Falle, dass das Business das ganze Leben einnimmt. Für mich war das eine bittere Erkenntnis. Es hat sich zeitweise wie Versagen angefühlt, wie fehlende Disziplin.
Heute weiß ich: Das ist eine ziemlich logische Entwicklung in der Selbstständigkeit.
Warum Selbstführung als Selbstständige so schwer ist
Selbstständigkeit ist kein 9-to-5-Job. Als Solo-Selbstständige steckst du ganz anders drin, und dir fehlt der Chef, der sagt: Hey, mach mal Feierabend.
Mein Lieblingsbild dazu: Ein fehlender Rahmen schränkt uns oft ein. Wenn ich einen Rahmen habe und weiß, bis hierhin kann ich gehen, dann gibt mir das Freiheit. Ich kann mich darin austoben und kenne meine Grenzen. Habe ich diesen Rahmen nicht, muss ich ihn mir selbst setzen, und das kostet viel mehr Energie.
Ich muss selbst sagen: Das sind meine Arbeitszeiten. Ich muss die Grenze zwischen mir und meinem Business ziehen. Nach der Festanstellung wollte ich meine Zeiten zum Beispiel gar nicht mehr tracken, weil ich dachte, ich arbeite einfach, wann ich will. Aber dadurch wurde alles schwammig, und die Übergänge zwischen Privat und Beruf waren irgendwann gar nicht mehr da.
Was mir geholfen hat, wieder Grenzen zu setzen
Der erste Schritt war, es überhaupt zu erkennen und anzuerkennen, dass mein Business sich zu breit in meinem Leben gemacht hat. Der zweite war die Bereitschaft, das wirklich zu ändern.
Heute habe ich feste Arbeitszeiten und feste Pausen. Pausen werden nicht verschoben und nicht gestrichen. In der Phase, in der mein Business mein ganzes Leben eingenommen hat, waren meine Pausen sehr liquide und flogen schnell raus. Heute haben private Termine und Pausen einen höheren Stellenwert als das Berufliche und werden zuerst eingeplant. Mein Business richtet sich nach meinem Leben, nicht umgekehrt.
Gerade sortiert sich bei mir wieder alles neu, weil sich meine private Situation verändert hat. Da muss ich aufpassen, dass sich gute Routinen wieder etablieren, statt dass alte Muster zurückkommen.
Warum ich mein Business räumlich trenne
Eine Sache, die für mich viel verändert hat: die räumliche Trennung. Ich bin wieder zurück in mein Büro gezogen. In den ersten Monaten nach der Schwangerschaft saß ich in einem Raum näher am Wohnzimmer, jetzt bin ich wieder weg davon.
Ich möchte auch nicht mehr mit dem Laptop überall in der Wohnung arbeiten, weil ich damit private Räume mit meinem Business verknüpfe. In mein Büro komme ich nur zum Arbeiten, sonst bin ich da nicht. So einen eigenen Raum zu haben ist ein Glück, und es fällt mir damit viel leichter, Feierabend zu machen.
Dazu habe ich Instagram von meinem Privathandy gelöscht. Auf meinem privaten Handy sind keine Business-E-Mails, gar nichts. Dafür habe ich ein Arbeitshandy, damit ich beides besser trennen kann.
Drei To-dos am Tag, und alles sichtbar im Kalender
Was mir noch geholfen hat: Ich habe mir angewöhnt, dass drei To-dos am Tag genug sind. Zeitweise war es einfach viel zu viel, was ich mir vorgenommen habe.
Der Trick war, alles sichtbar zu machen. Auch dieses „mal eben schnell“ braucht Zeit. Alles, was länger als eine halbe Stunde dauert, wandert bei mir in den Kalender. So habe ich gemerkt: So viele Dinge schaffe ich an einem Tag gar nicht. Vorher habe ich das „mal eben schnell“ für den Webdesign Women Club ständig vor und nach der eigentlichen Arbeit drangeschoben, und ich könnte dir gar nicht sagen, wie viele Stunden am Tag das gefressen hat.
Meine Arbeitszeit zu tracken hilft mir übrigens trotzdem, auch wenn ich es nach der Festanstellung erst nicht wollte. Es gibt mir das Gefühl, etwas erledigt zu haben.
Vertretung, die den Kopf frei macht
Und dann ist da noch meine Vertretung. Für meine Urlaube habe ich eine Freelancerin, mit der ich schon lange zusammenarbeite. Ich vertraue ihr, sie kennt meine Situation und vertritt mich, wenn etwas ist. Das macht den Kopf frei, weil ich weiß, es ist jemand da.
So habe ich es geschafft, dass mein Business nicht mehr mein ganzes Leben einnimmt, sondern ein Teil davon ist. Mein Privatleben hat wieder einen höheren Stellenwert neben meinem Business-Ich.
Es gibt Phasen, in denen das richtig gut läuft, und Phasen, in denen sich die Grenzen auch mal verschieben dürfen. Dafür bin ich selbstständig und nicht im 9-to-5-Job. Aber ein paar feste Routinen brauche ich, damit es nicht wieder kippt.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Das Business übernimmt dein Leben schleichend, nicht über Nacht. Achte früh auf die leisen Übergänge.
- Setz dir selbst einen Rahmen: feste Arbeitszeiten und feste Pausen, die nicht gestrichen werden.
- Plane Privates zuerst. Dein Business darf sich nach deinem Leben richten, nicht umgekehrt.
- Trenne räumlich und digital: ein eigener Arbeitsort, kein Business auf dem Privathandy.
- Mach deine To-dos im Kalender sichtbar und plane realistisch. Auch „mal eben schnell“ kostet Zeit.
- Eine verlässliche Vertretung macht den Kopf frei.
Wenn dich das Thema beschäftigt, schreib mir gerne auf Instagram unter @webdesign.women.
Diese Folge gibt es auch zum Hören.
Deine Steffi