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#9 Wunschkundin als Webdesignerin finden: So definierst du deine Zielgruppe wirklich

Für wen willst du eigentlich arbeiten? Wer ist deine Wunschkundin? Das klingt nach einer einfachen Frage, ist es aber nicht. Deshalb schauen wir sie uns heute genauer an.

Wenn du dich selbstständig machst, ist das Thema erst mal super theoretisch. Im besten Fall hast du eine User Persona erstellt und auf dem Papier definiert, wer deine Zielgruppe ist. Für den Anfang ist das gut, du brauchst einen Richtstern, an dem du dich langhangeln kannst. Viele hängen sich aber so sehr an der Theorie auf, dass sie nie anfangen. Das ist schade, denn dieses Bild verändert sich sowieso ständig.

Falls du gerade in der Gründungsphase bist: Definiere etwas, fang einfach an, und du wirst sehen, dass es sich mit der Zeit verändert.

Warum die Theorie nur der Anfang ist

Ich habe ein Beispiel aus meiner Festanstellung. Ich habe dort ein Führungstraining gemacht, das eigentlich für angehende Führungskräfte gedacht war. Ich war zu dem Zeitpunkt schon frisch Führungskraft. Das Training ging über mehrere Monate mit verschiedenen Themenblöcken. Für mich war jeder Input super wertvoll, weil ich ihn direkt umsetzen konnte. Ich hatte die Situationen wirklich erlebt. Für die anderen war alles theoretisch, sie haben sich mit Situationen beschäftigt, in denen sie noch nie waren.

Genauso ist es mit deinen Wunschkundinnen. Manche Dinge weißt du erst, wenn du sie erlebt und ausprobiert hast. Vielleicht fällst du auch mal mit jemandem auf die Schnauze, weil du vorher gar nicht wissen konntest, ob es passt. Fang also in der Theorie an und bau es in der Praxis aus.

Sprich einen Menschentyp an, nicht eine Demografie

In meiner Festanstellung habe ich gelernt, dass es viel wichtiger ist, einen Menschentyp anzusprechen als reine Demografie. Es gibt da ein bekanntes Beispiel von zwei Männern mit fast identischem Profil, gleiches Alter, gleiche Herkunft, die in dieselbe Persona passen und trotzdem völlig unterschiedliche Typen sind.

Deshalb finde ich es wichtiger, Menschen zu finden, die vom Typ her zu dir passen, statt nur nach Name, Alter und Wohnort zu gehen. Sind es Menschen, die umweltbewusst sind? Die Kinder haben? Die karriereorientiert sind? Das sagt viel mehr über eine Person aus.

Punkt 1: Deine Werte und deine Haltung

Deine Werte und deine Haltung sollten sich in den Punkten, die dir wichtig sind, zum Großteil mit deiner Wunschkundin überschneiden. Dafür musst du erst mal wissen, wofür du stehst.

Falls du dich damit noch nicht beschäftigt hast: Auf der Website meines Design-Business habe ich mal einen Wertekompass als Freebie erstellt, ganz ohne Angebot dahinter. Den kannst du dir herunterladen, ich verlinke ihn in den Shownotes. Damit kannst du dich grundsätzlich mit deinen Werten auseinandersetzen.

Das wird immer wichtiger, weil auf der Welt gerade so viel passiert. Manche Themen sind für eine Zusammenarbeit nicht wichtig, manche aber schon.

Punkt 2: Regelmäßige Reflexion

Im Webdesign Women Club planen wir jeden Monat, jedes Quartal und jedes Jahr, damit wir den Fokus auf unsere Ziele nicht verlieren. Eine wichtige Frage darin: Wie war die Zusammenarbeit mit den Kundinnen, wie liefen die Projekte und wie habe ich mich dabei gefühlt?

Das klingt simpel, verrät aber unglaublich viel darüber, ob dein Wunschbild mit deinem Alltag übereinstimmt. Wenn du regelmäßig eincheckst, merkst du, welche Charaktereigenschaften gut mit dir harmonieren. Schreib dir auf, was schieflief und was gut lief, und frag dich auch nach deinem eigenen Anteil. Was war mein Anteil, was der Anteil der Kundin?

Ein paar konkrete Beispiele, wie du daraus deine Wunschkundin schärfst:

  • Wenn ein Projekt chaotisch ist, weil mehrere Menschen involviert sind, kannst du beschließen, dass du nur noch eine feste Ansprechperson möchtest, und das in deine Leistungsbeschreibung schreiben.
  • Wenn jemand technisch nicht versiert ist, du aber nur über Zoom arbeitest, mach schon das Erstgespräch über Zoom. So siehst du früh, ob ihr technisch auf einem Level seid. Ich musste mal in jedem Call erst die Technik klären, und das frustriert auf Dauer.
  • Wenn du nur vormittags Calls anbietest, weil nachmittags deine Flow-Zeit für Projekte ist, leg auch die Erstgespräche in diese Zeit. So fällt früh auf, wenn jemand nur nachmittags kann und es einfach nicht zu deinen Abläufen passt.

Nutze diese Erkenntnisse und forme nach und nach deine Wunschkundin.

Punkt 3: Rentabilität

Ein Punkt, den viele vergessen: Welche Menschen sind überhaupt bereit, in dich zu investieren? Jemand kann noch so gut zu dir passen, wenn das Budget nicht stimmt, passt es trotzdem nicht.

Wenn du dir eine enge Nische aussuchst, recherchiere immer, wie es dort um die Liquidität steht. Ein Beispiel, das ich oft sehe, ist die Zielgruppe Gründerinnen. Viele starten dort, weil sie selbst in dieser Phase sind und die Fragen gut nachvollziehen können, und weil es leichter fällt, niedrigere Preise anzusetzen. Aber Gründerinnen sind eine anspruchsvolle Zielgruppe: oft kleines Budget, hoher Anspruch. Da musst du klar kommunizieren und Grenzen setzen können, damit die Projekte überhaupt profitabel sind.

Es geht also nicht nur um die Person an sich, sondern auch darum, ob dein Wunsch mit der Realität übereinstimmt. Wie viel du am Ende brauchst und zu welchen Konditionen du arbeiten willst, habe ich in der Folge zu Ausgebucht als Webdesignerin noch genauer beleuchtet.

Wie du die richtigen Menschen anziehst

Wenn du sehen willst, ob die Haltung und die Werte eines Menschen zu dir passen, dann zeig deine. Sprich über Themen, die dir wichtig sind, und bezieh Stellung. Du suchst dir selbst aus, worüber du redest, aber sobald du eine Haltung zeigst, sortierst du automatisch aus.

Wir haben oft Angst davor, weil wir niemanden abstoßen wollen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Du ziehst genau die richtigen Menschen an. Wenn du deine Werte nie sichtbar machst, ziehst du dir schnell die falschen an, einfach weil nicht offensichtlich ist, ob sie zu dir passen. Es gibt diesen Spruch: Wenn du alle ansprechen willst, sprichst du am Ende niemanden an. Genauso ist es.

Charaktereigenschaften kannst du auch in deinem Kennenlernprozess prüfen. Mir sind zum Beispiel Humor und Zuverlässigkeit sehr wichtig. Ich teste im Kennenlerngespräch, ob unser Humor auf einem Level ist, weil ich bei meiner Arbeit lachen können möchte. Und für die Zuverlässigkeit gibt es bei mir vorab kleine „Hausaufgaben“, an denen ich merke, wie verlässlich jemand ist.

Dieser Prozess endet nie

Wir haben einen großen Einfluss darauf, wie es uns bei der Arbeit geht, und mit wem wir zusammenarbeiten, ist dabei ein Riesenfaktor. Deshalb ermutige ich dich, nicht alles anzunehmen, sondern dich wirklich damit zu beschäftigen, mit wem du arbeiten willst.

Und das immer wieder, denn deine Wunschkundinnen können sich ändern, genau wie deine Lebenssituation. Check regelmäßig ein und schau auf den Ist-Stand: Wer schreibt dich gerade an? Passen diese Menschen zu dir? Wie ist deine Außenwahrnehmung, dein Brand-Design, worüber sprichst du? So formt sich das Bild immer genauer.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Fang in der Theorie an, aber rechne damit, dass sich deine Wunschkundin in der Praxis verändert.
  • Sprich einen Menschentyp an, nicht nur Demografie wie Alter und Wohnort.
  • Deine Werte und Haltung sollten sich mit deiner Wunschkundin überschneiden. Zeig sie sichtbar.
  • Reflektiere regelmäßig, wie sich Zusammenarbeiten anfühlen, und schärfe daraus dein Bild.
  • Prüfe die Rentabilität: Kann deine Zielgruppe überhaupt in dich investieren?
  • Hör auf, niemanden abstoßen zu wollen. Mit klarer Haltung ziehst du die richtigen Menschen an.

Eine kleine Info in eigener Sache: Ich habe in den letzten Wochen einen Branchenreport geschrieben, in dem es darum geht, was Webdesignerinnen wirklich verdienen, mit realistischen Stundensätzen, Projektpreisen und Jahresumsätzen. In der geschönten Instagram-Welt verdient ja jede schon nach zwei Monaten sechsstellig. Weil wir Frauen eher dazu neigen, zu wenig zu verlangen, gibt es jetzt diesen realistischen Überblick.

Wenn dich das Thema beschäftigt, schreib mir gern auf Instagram unter @webdesign.women.

Diese Folge gibt es auch zum Hören.

Deine Steffi

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Hi ich bin Steffi

Webdesignerin und die Stimme hinter dem Webdesign Women Podcast. Seit Jahren baue ich mir meine Selbstständigkeit so auf, dass sie zu meinem Leben passt. Darüber spreche ich hier: ehrlich, aus eigener Erfahrung und ohne Hochglanz. Wenn du als Webdesignerin selbstständig bist oder es werden willst, bist du hier genau richtig. 

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